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DPRG-Wissenschaftspreis 2022: Interview mit Master-Preisträgerin Jeanne Link

„Ethische Dilemmata in der digitalen Kommunikation - Eine empirische Untersuchung ethischer Entscheidungsprozesse“ – Dahinter verbirgt sich der Titel der Master-Arbeit von Jeanne Link. Hier beleuchtet sie, wie Kommunikationsverantwortliche mit moralischen Grauzonen in der digitalen Kommunikation umgehen und was ihnen bei der Entscheidungsfindung hilft. Am 5. Mai 2022 durfte sie hierfür den DPRG Wissenschaftspreis entgegennehmen.

Klenk & Hoursch ist Partner des DPRG Wissenschaftspreises, der alle zwei Jahre Abschlussarbeiten im Themenfeld Kommunikation und PR auszeichnet. Die diesjährigen Preise in den Kategorien „Bachelor“, „Master“ und „Dissertation“ wurden den Gewinner:innen im Rahmen der Verleihung des Internationalen Deutschen PR-Preises am 5. Mai in Hannover übergeben. Wir haben mit den Preisträger:innen gesprochen, um weitere Einblicke in ihre Arbeiten zu erhalten. Jeanne Link erhielt den Preis in der Kategorie „Master“ und gibt uns im Gespräch mehr Einblicke die Entscheidungsfindung von Kommunikationsverantwortlichen vor dem Hintergrund moralischer Grauzonen.

Jeanne, zunächst gratulieren wir dir mit einem „Herzlichen Glückwunsch“ zu deinem absolvierten Master-Abschluss. Lief während der Zeit des Schreibens deiner Arbeit alles so, wie du es dir vorgestellt hast?

Vielen Dank! Nein, tatsächlich lief vieles ganz anders als erwartet. Ich habe kurz nach Beginn der Corona-Pandemie mit dem Schreiben der Arbeit begonnen. Damit fiel nicht nur ein geliebter Arbeitsplatz in der schönen Bibliotheca Albertina in Leipzig weg, sondern auch der motivierende Austausch mit Kommilitoninnen. Insgesamt war es jedoch eine positive Erfahrung, die Herausforderungen zu meistern und eigenständig an einem von mir gewählten Thema zu arbeiten.

Wir gratulieren dir ebenfalls für den Gewinn des DPRG Wissenschaftspreises. Mit diesem werden jährlich herausragende Arbeiten und deren Autor:innen geehrt. Wie fühlt es sich an, in diesem Jahr den Preis in der Kategorie „Master“ mit nach Hause nehmen zu dürfen?

Ich bin sehr glücklich und freue mich ungemein, dass meine Arbeit so viel Wertschätzung erfährt. In meiner Masterarbeit steckt viel Herzblut und ich freue mich, dass ich andere damit begeistern kann. Vielen Dank an die DPRG sowie Klenk & Hoursch für die Auszeichnung!

Deine Arbeit trägt den Titel „Ethische Dilemmata in der digitalen Kommunikation - Eine empirische Untersuchung ethischer Entscheidungsprozesse“. Kannst du uns den Inhalt kurz skizzieren?

Kommunikationsverantwortliche treffen in ihrem Arbeitsalltag häufig auf moralische Grauzonen. Dies ist vor allem der Fall, wenn neue digitale Technologien oder Kommunikationspraktiken eingesetzt werden, bei denen anfangs unklar ist, was als legitim und akzeptiert gilt. In meiner Masterarbeit habe ich untersucht, wie Kommunikationsverantwortliche mit moralischen Grauzonen in der digitalen Kommunikation umgehen und was ihnen bei der Entscheidungsfindung hilft.

Deine Arbeit handelt von ethischen Aspekten und möglichen Problemen in der digitalen Kommunikation. War es ein Ziel von dir, einen Mehrwert für die weitere Forschung oder die Praxis zu schaffen?

Die Arbeit ist relevant für Forschung und Praxis. Für die Befragung von Kommunikationsverantwortlichen habe ich ein Instrument entwickelt, welches sich aus Theorien der Moralpsychologie ableitet und auf den aktuellen Forschungsstand stützt. Die von mir entwickelten Szenarios greifen praktische Beispiele aus der digitalen Kommunikation auf und können Kommunikationsverantwortlichen bei der Reflexion über ethische Herausforderungen helfen.

„Nur durch einen offenen Dialog, der das Zusammenspiel zwischen Einzelpersonen, Organisationen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt, können moralische Grundsätze für einen verantwortungsvollen Umgang ausgehandelt werden.“ 

Jeanne Link

Möchtest du mit deiner Arbeit selbst zum Nachdenken anregen, speziell was Entscheidungsfindungen im digitalen Raum angeht?

Mein persönlicher Anspruch an diese Arbeit war es, zu einem kritischen Diskurs über ethische Fragestellungen im Bereich Kommunikationsmanagement beizutragen. Individuen treffen ambivalente Entscheidungen, machen Fehler und verhalten sich teilweise unmoralisch. Nur durch einen offenen Dialog, der das Zusammenspiel zwischen Einzelpersonen, Organisationen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt, können moralische Grundsätze für einen verantwortungsvollen Umgang ausgehandelt werden.

Wo siehst du konkrete Herausforderungen – aktuell und vielleicht auch in Zukunft?

Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht die Geschwindigkeit, mit der neue Technologien und Praktiken implementiert werden. Einerseits müssen Kommunikationsabteilungen sowie Beratungen und Agenturen dem Tempo standhalten, andererseits fehlt es hier häufig an Digitalkompetenzen, die auch eine ethisch-moralische Dimension umfassen. Diese Kompetenzen müssen künftig noch mehr bei Kommunikationsverantwortlichen gefördert werden, um sicherzustellen, dass Technologien gleichwohl wertschöpfend wie moralisch vertretbar eingesetzt werden.

Was würdest du anderen Studierenden raten, die ebenfalls kurz vor dem Karrierestart stehen?

Traut euch! Sprecht Leute an, die ihr interessant findet und fragt sie, wie sie dahin gekommen sind, wo sie heute sind. Ich habe unsere Branche bisher als extrem offen und hilfsbereit wahrgenommen und bin begeistert davon, wie gut das Netzwerk funktioniert.

DPRG PR Preis 2022 319

Hier geht es zu den Interviews mit den Gewinnerinnen in den Kategorien Bachelor und Dissertation.

13 Sebastian Riedel

Sebastian Riedel

Senior Consultant

Relationships lie at the heart of his work – journalists, bloggers, influencers, fans, clients. Through the strategic management of topic hooks, he uses the right tone and handpicked channels to bring clients’ subjects into the limelight. As an experienced crisis expert he knows about the opportunities and risks that come…
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