Im Osten war das besser. Damals, als noch alle Etiketten feinsäuberlich nach vorne zeigten. Okay, da waren hinten auch keine Schildchen drauf, und es gab nur ein Produkt pro Gang. Aber sah das nicht herrlich aus? So übersichtlich. So alles auf einen Griff. Aber natürlich wünscht sich niemand das DDR-Sortiment zurück, natürlich schätzen wir die Riesenauswahl im Knackfrisch- und Allesdaland. Natürlich wollen wir wählen können zwischen Katzenfutter mit Seelachs und Krabben und mit Krabben und Seelachs. Wäre auch alles gut und schön, gäbe es nicht die Beknackt-Packer und die Beknackt-Kunden. Die Regalbestücker, die meinen, dass statt der vorgesehenen 48 Tütensuppen auch 68 in die Lücke passen. Ach was! Ein wenig quetschen, etwas knüllen und oben passen noch zehn drauf! Am besten noch in 1,80 Meter Höhe. Damit der Kunde beim ersten leisen Zupfen am Süppchen gleich im Tütenregen steht. Der hat es eigentlich auch nicht besser verdient: Der reißt doch schließlich noch den untersten Karton auf, weil das Knäckebrot darin frischer sein könnte als in den oberen zehn Anbruchkartons. Der ignoriert doch beharrlich jede Logik im Regal und schiebt einfach so von rechts nach links, nur, um die Bockwurst im Glas aus der letzten Ecke zu fingern. Da darf er sich nicht wundern über die Rache der Drücker-Bestücker und den Tütenregen. Doch im Regen stehen auch die anderen. Die Peniblen unter den Packern und Kunden. Die dem Glas Kirschen noch den liebevollen Dreh verpassen, damit die Etiketten wieder nach vorne schauen.
So ist das Leben in der Auslage.
Erschienen im Jahrbuch 2009 des Handelsunternehmens WTS.