Morgens halb zehn in Frankfurt-Sachsenhausen: Mandelhörnchen „sind schon aus“. Dafür gibt’s Puddingplunder tonnenweise. Bis abends um acht. In Frankfurt-Bornheim ist es umgekehrt. Und unbelehrbar bleibt der Kettenbäcker. Plant seine Teilchen für die Stadt, nicht für das Stadtteilchen. Dabei hat der bestimmt eine ganz tolle Software im Einsatz die jeden Mandelsplitter durchrechnet. Wahrscheinlich hat er sogar Marktforschung gemacht, die zeigt, dass Kalorienverbrauch und Postleitzahlen korrelieren. Aber irgendwie hat die Mafo den Run auf die Mandelhörnchen in Sachsenhausen nicht erfasst. Und die ofenerhitzte Verkäuferin hinter der Theke lässt es kalt, dass die Dinger gleich morgens immer „schon aus“ sind. Aber diese aufgeweichten Haufen Puddingplunder, die abends übrig bleiben – die muss doch die Software irgendwann nach oben rülpsen. Nach oben ins Management mit dem Hinweis „Achtung Fehlplanung!“. Wenn in der Produktion drei Gramm Mehl zu viel eingesetzt werden, läuten doch auch die Alarmglocken. Wenn zwei Mitarbeiterstunden zu viel auf die tausend Brötchen kommen, wird´s doch auch schnell eng für die Aushilfe. Komisch: In der Trinkhalle in derselben Straße kann der Inhaber jeden auch noch so ausgefallenen Wunsch immer (!) erfüllen. Gar nicht komisch. Der kennt seine Sachsenhäuser so genau, dass „ausgefallen“ für ihn eben nicht ausgefallen, sondern normal ist. Normal für sein Teilchen der Stadt.
So ist das Leben in der Auslage.
Erschienen im Jahrbuch 2009 des Handelsunternehmens WTS.