Wie im Wartezimmer. Unter Kassenpatienten. Zu wenig Stühle für zu viele Leidende. Vorhänge und Türspalten geben verbotene Blicke frei. Aber irgendwie nie auf Spitzen, Nabel, Sündenbabel. Sondern auf gerutschte Strümpfe und gestopfte Wäsche, auf Siechfleisch, Schwären, Schweinebäuche. So stehen Sie, beschämter Mann, vor der Damenumkleide. Gereizt, genervt, seelisch überstreckt. Und hinterm Vorhang sie, Ihre Frau. Mit etwa 15 Röcken. „Aber bleib bitte in der Nähe, Schatz!“ Ritsch, Vorhang auf, die erste: „Und, wie ist der?“ „Der ist klasse!“ (Den Schulmädchenreport mochten Sie ja schließlich auch.) „Nicht ein wenig zu kurz?“ „Nö.“ „Und was soll ich dazu anziehen?“ (Wie wär´s mit nix!?) „Ich weiß nicht, vielleicht den engen knallgrünen Pulli?“ Ganz falsch. Der passt ihr schon seit einem Jahr nicht mehr. Ratsch. Ritsch, die zweite: „Auch schick!“ „Schick, immer schick! Das gefällt Dir natürlich wieder. Ich suche nichts Schickes, sondern einfach mal ‚was Cooles und Freches.“ Ratsch. Ritsch, ratsch, ritsch, ratsch, ritsch, die 14.: „Und?“ „Auch nicht schlecht…“ „Also, da finde ich mal einen Rock richtig schick und Du sagst ‚auch nicht schlecht’.“ „Aber.., der ist doch auch nicht schlecht…“ „Ganz toll! Das macht wirklich Spaß mit Dir! Da ziehe ich mich hier stundenlang um – und: ‚auch nicht schlecht’. Ich hab´ keine Lust mehr.“ Ratsch. So stehen Sie, beschämter Mann, vor der Damenumkleide. Und alle haben zugehört. Macht nichts, Sie stehen im Kreise Verstehender. Denn so läuft das auch bei Hosenanzügen, Blusen und sehr, sehr gerne auch bei Jeans.
Canta, canta pipituni, ca scupetta è preparata.