Der Watschenmann

Es ist aus. Vorbei. Er ist erledigt: Da steht der Tor und sie, sie steht dahinter. „Die Partei hat sich hinter den Minister gestellt.“ Und zwar entschieden und geschlossen. Da stand bisher nur der Kanzler. Sagte er gleich zu Beginn. Und wir fragen uns: Was wollen die jetzt alle da? Werden sie ihn jetzt gemeinsam über die Klippe stoßen? Oder alle hinter dem Minister in Deckung gehen? Würden wir ja verstehen. Denn das kennen wir blutarmen Brillenträger ja noch vom Schulhof: Hinterm Watschenmann steht man am besten. Jedenfalls hat das „entschieden“ und „geschlossen dahinter“ den Nebel schlagartig gelichtet. Der mühevoll mit dicken Backen verblasene Politdunst gehört zur Skandalinszenierung. Und zwar immer in dieser Reihenfolge: „Unkenntnis in der Sache“, Nicht-Zuständigkeit, Gedächtnislücke, Kanzlerunterstützung, „eingehende und rückhaltlose Untersuchung der hochkomplexen Sachverhalte“, Ausschuss. Das Ganze gibt es natürlich in wunderbaren bundes-, landes- und kommunalpolitischen Spiel- und Mundarten von Ukrainisch-Visa bis Bayerisch-Amigo. Aber stets zum Schluss stellt sich die Partei voll dahinter. Dann ist der Skandal so gut wie vorbei. Die weiß dann nämlich: Den müssen wir über die Klippe schieben. Oder: Der schafft´s, der fängt die Watsche ab. Hinter dem stehen wir am besten. Kennen wir doch vom Schulhof.

Canta, canta pipituni, ca scupetta è preparata.

Erschienen im pressesprecher 2006.


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