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Welche Stufen der Beteiligung gibt es im Intranet?

von Georg Kolb

Serie: Partizipation im Intranet, Teil 3

Aus der Tat­sache, dass ein soziales Medium jedem Mitar­beiter kommuni­kative Beteili­gung ermög­licht, folgt noch nicht, dass er davon auch Gebrauch machen wird. Genauso wenig wie aus dem Wahl­recht folgt, dass jeder Wahl­berech­tigte zur Wahl geht oder gar poli­tisch aktiv wird.

Die Nielsen-Regel

Für die Online-Kommuni­kation hat der dänische Usability-Experte Jakob Nielsen die berühmt gewor­dene 90/9/1-Regel aufge­stellt. Sie besagt, dass es eine prinzi­pielle Ungleich­heit in der Beteili­gung der Nutzer gibt (»Participation Inequality«): nach Nielsen sind 90 Prozent der Nutzer nur Zuschauer, 9 Prozent tragen gelegent­lich auch Inhalte bei, während 1 Prozent beson­ders aktiver Nutzer 90 Prozent aller Inhalte kreieren. Nielsens Regel ist auch kriti­siert worden. So ist z. B. zu Recht darauf hinge­wiesen worden, dass Beteili­gung gerade in der Internen Kommuni­kation und Kollabo­ration ganz unterschied­liche Dinge bedeuten kann. Das Gene­rieren von Inhalten reicht hier als alleiniges Kriterium nicht aus. Andere haben bemängelt, dass die Definition dessen, wer als Nutzer gilt, erheb­liche Auswir­kungen auf die Anteile von Zuschauern und Aktiven hat, so dass die Größen­verhältnisse der drei Nielsen-Gruppen sich verschieben können, z. B. auf 70/20/10. Soweit ich sehe, hat jedoch niemand Nielsens grund­sätzliche Beobach­tung in Frage gestellt, dass in der Online-Kommuni­kation einer relativ kleinen Minder­heit von sehr aktiv Beteiligten eine deut­liche Mehr­heit von kaum Beteiligten gegen­übersteht.

Indirekte Beteili­gung der schweigen­den Mehr­heit

Stellt die Nielsen-Regel den Wert von Social Intranets oder Enter­prise Social Net­works in Frage? Wie aussage­kräftig können die Äuße­rungen dort sein, wenn sie nur von einer aktiven Minder­heit stammen? Die Antwort liegt – ähnlich wie in der Demo­kratie – im Prinzip der Repräsen­tation. Die Mehr­heit mag zwar keine eigenen Stand­punkte formu­lieren, aber sie hat durch­aus eigene Meinungen und ist im Allge­meinen bereit, sich durch andere vertreten zu lassen. Das Schweigen der Mehr­heit kann also wenigstens indirekt gebrochen werden, wenn es ihr möglich und leicht gemacht wird, sich vorhan­denen Stand­punkten anzu­schließen. Genau das ist durch eine wachsende Zahl von neuen Funkti­onen in sozialen Medien wesent­lich einfacher geworden. Zwischen Konsu­mieren und Produ­zieren, zwischen bloßem Lesen und dem Verfassen eigener Beiträge haben sich mehrere Stufen der Beteili­gung ausge­bildet (vgl. Abbildung), von denen ich hier nur die häufigsten ansprechen will.

Bewerten, Folgen, Empfehlen, Kommen­tieren, Verfassen

Das Bewerten von Beiträgen anderer kann man als erste Stufe der Beteili­gung betrachten, die über das bloße Konsu­mieren von Inhalten hinaus­geht. Dauer­haftes Interesse kann der Nutzer signali­sieren, indem er Inhalten von bestimmten Personen oder zu bestimmten Themen »folgt«, sie also abonniert. Das geht wie bei einer Bewer­tung mit einem Klick, ist aber schon ein relativ starkes Signal des Interesses, da es sich ja auch auf künftige Beiträge richtet. Noch etwas mehr Initiative ist für eine Empfehlung nötig. Sie kann z. B. darin bestehen, dass der Nutzer einen Inhalt mit seiner eigenen Gefolg­schaft teilt oder auch nur an Einzelne weiter­leitet. Aber selbst diese Form der Beteili­gung ist in den meisten Fällen noch ohne eigene Inhalte des Nutzers mög­lich. Erst wenn er die Beiträge anderer kommen­tiert, muss er sich mit eigenen Inhalten beteili­gen. Die höchste Stufe der Beteili­gung liegt nach wie vor darin, dass der Nutzer eigene Beiträge verfasst, mit denen er sich der Diskus­sion stellt. Der Anteil derjenigen, die das tun, wird immer eine Minder­heit sein, aber über die anderen Beteiligungs­stufen kann die Mehr­heit indirekt beteiligt werden.

Meinungs­macher als Kataly­satoren

Die Beteili­gung muss für die weniger aktive Mehr­heit aller­dings so einfach wie möglich gemacht werden. Dazu gehört zunächst, dass die Minder­heit der Meinungs­macher bereits aktiv ist, denn nur wenn mehrheits­fähige Inhalte schon vorhan­den sind, kann sich die Mehr­heit anschließen. Dazu gehört auch, dass die aktive Minder­heit gut sicht­bar ist, damit sie von der Mehr­heit auch wahr­genommen wird. Und dazu gehört, dass die Beteiligungs­möglich­keiten für die Mehr­heit möglichst simpel sind. Es sollte also von der Mehr­heit nicht verlangt werden, dass sie selbst Inhalte beisteuern muss, sondern nur, dass sie bewertet oder empfiehlt. Anders gesagt:

Je größer die Zahl der Beteiligten sein soll, desto geringer dürfen die Erwar­tungen an die inhalt­liche Beteili­gung sein.

 

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