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re:publica: Impressionen von einem Klassentreffen

von Frank Hamm

Menschen sind Gespräche – besonders auf der re:publica

Interviews auf der re:publica

Die »Netzgemeinde« trifft sich eimal im Jahr in Berlin zur re:publica um aktuelle und kommende Themen zu diskutieren und vor allem: zu netzwerken. Der Begriff »Netzgemeinde« führt in vielen Gesprächen umgehend zu Wider­spruch: Man sei keine Gemeinde, zu unterschiedlich seien die Menschen und ihre Interessen. Und doch ist es das Netz, das alle zusammen­führt und nach Berlin leitet.

Bereits Wochen vor dem Ereignis werden die kommenden Sessions und Themen diskutiert. Für den richtigen Umgang mit der re:publica davor, während und danach gibt es sogar eine Gebrauchsanleitung (Vorsicht: Humor!). Spätestens ab Anfang Mai dominiert eine Frage alle Timelines: »Wer ist noch so auf der re:publica?«

Das Rauschen der re:publica im Zuge der Anreise

Am Montagmorgen war es dann soweit. Während ich noch im Zug saß, konnte ich das re:publica-Rauschen bereits auf Twitter verfolgen. Nach meiner Ankunft am späten Nach­mittag liefen zwar noch einige Sessions. Gleichzeitig hatten sich aber viele Teilnehmer auf dem gesamten Gelände der Station Berlin zum Austausch gesammelt. Das ist ein Hauptmerkmal und gleichzeitig ein Nachteil der re:publica. Man trifft sich zum ersten oder wiederholten Male »außerhalb der Timeline« und nutzt die Zeit zum intensiven Austausch. Oft jedoch schafft man es dadurch nicht in die geplante Session. Bei 5.000 Teilnehmern und 300 Veranstal­tungen gilt ständig, Prioritäten neu zu setzen.

Typisch: Die andere Session ist immer spannender

Der re:publica-Klassiker: Entweder gibt es gerade keine Session, die mich interessiert, oder es laufen mehrere spannende gleich­zeitig. Habe ich ein Juwel gefunden und stürme in den Saal auf der Suche nach einem guten Sitzplatz, so sehe ich mich im Wettbewerb mit ein paar Hundert anderen Teilnehmern. Habe ich einen guten Platz, bekomme ich über Twitter die Nachricht »Bin jetzt für 10 Min. auf dem Affen­felsen. Kommst Du?«

re:publica Affenfelsen

Die digitale Blauhelmtruppe und Jobsuche 2.0

Aufgrund der Heraus­forderungen habe auch ich es nicht geschafft, an allen geplanten Sessions teilzu­nehmen. Ständig traf ich Leute (oder Leute trafen mich), und ständig setzte ich neue Prioritäten. Immerhin schaffte ich es zu diesen Sessions:

  • Bei Manouchehr Shamsrizi ging es um die digitale Zukunft. Nach einer Einführung zu Wissen, Macht und Moral rief er zu einer digitalen Blauhelm­truppe auf. In den Diskussionen dazu, wozu uns die Moral verpflichtet oder nicht, fühlte ich mich an Kants kategorischen Imperativ erinnert.
  • Johannes Kleske beschrieb in »Das Ende der Arbeit – Wenn Maschinen uns ersetzen« Entwick­lungen und Berichte, wie Maschinen uns Menschen ersetzen, und entwarf Szenarien, wie die Zukunft mit Menschen und Robotern aussehen könnte. Für uns ergibt sich daraus die Forderung nach einer Entscheidung und nach Handeln. Bei den Szenarien dachte ich unwillkürlich an Isaac Asimovs Foundation-Zyklus und Philip K. Dicks Roman »Träumen Androiden von elektrischen Schafen?« (vermutlich bekannt als Ridley Scotts Verfilmung »Blade Runner«). In beiden Szenarien spielen insbesonders intelligente und bewusste Roboter eine Hauptrolle.

re:publica Johannes Kleske: Das Ende der Arbeit

  • Noch mehr Zukunft gab es im Gespräch mit Dieter Zetsche, CEO von Daimler über Mobilität und das vernetzte Auto. Zetsche war belebend und wusste nicht zuletzt dank seinem Vorleben als Entwickler sehr gut auf die Fragen des Moderators zu antworten. Mir gefiel die Fragerunde mit dem Publikum am Ende sogar so gut, dass ich mir die komplette Session als Publikums­fragerunde vorstellen kann. Zetsche kam bei mir sehr authentisch und souverän an. Tipp für Daimler- oder Mobilitäts­interessierte: Das Daimler-Blog bietet seit Jahren interessante und menschliche Einblicke in den Konzern.

re:publica Dieter Zetsche, CEO Daimler, im Gespräch

  • Christine Heller und Jochen Mai berichteten über die Jobsuche 2.0 von Christine Heller und darüber, wie Mitarbeiter ihre Arbeitssuche auf andere Art und Weise als üblich gestalten können. Auf »Personaler« könnte bei der Mitarbeiter­suche eine Zukunft abseits der behäbigen und klassischen Recruiting-Prozesse zukommen.
  • Im Saisonrückblick Social Media-Recht mit den beiden Anwälten Henning Krieg und Thorsten Feldmann ging es zwar um die Vergangenheit, doch die recht­lichen Einblicke in Urteile, Abmahnungen und Verfahren wappnen Personen und Unternehmen, die im Internet und in den sozialen Medien aktiv sind, für die Zukunft.

re:publica Publikum zu Social Media-Recht

  • Am Abend traf sich das Digitale Quartett nicht nur wie sonst in einem Google Hangout sondern direkt vor Ort. Die einzelnen Mitglieder des Quartetts mussten in einem Fragespiel jeweils einen Überraschungs­gast erraten. Für Thomas Knüwer war dies Guido Bülow (Tatort-Online-Redakteur des SWR), für Ulrike Langer war es Peter Kabel (Unternehmens­gründer und Hochschul­professor, der sich von seinen Studenten die Mayorship des Hochschul-Campus auf Foursquare nicht wegnehmen lässt) und für Daniel Fiene war es Vera Lisakowski (Projekt­leiterin beim Grimme Online Award). Quartett? Der vierte des Quartetts, Richard Gutjahr, war übers Netz zugeschaltet. Einen Bericht mit der aufgenommenen Folge gibt es bei Indiskretion Ehrensache. Für mich war es eine unter­haltende Auflockerung, die mir ein paar Einblicke in Themen und Personen abseits meiner normalen Routen gab.

Soweit meine Eindrücke von der re:publica in diesem Jahr.

Was waren Ihre Highlights? Vor Ort und im Netz?

 

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