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Partizipation im Intranet

von Georg Kolb

Erster Post einer Serie zu Status, Motiven, Stufen und Formaten der Beteiligung im Intranet

Foto: http://www.flickr.com/photos/julisaustria/, CC BY-ND 2.0

Foto: http://www.flickr.com/photos/julisaustria/, CC BY-ND 2.0

Partizi­pation ist ein Thema unserer Zeit. Wo Bürger und Verbraucher früher nur stummes Publikum waren, äußern sie heute im Internet ihre Meinung. Sei es zu Unter­nehmen und Produkten, sei es zu großen Infra­struktur­projekten wie Stuttgart 21 oder sei es zum prekär gewordenen Verhältnis von Kirche und Gesell­schaft. Sie tun das aber nicht nur, weil durch soziale Medien aus dem Internet ein Mit­mach­netz geworden ist, sondern weil Partizi­pation zum Lebens­stil indivi­duali­sierter Gesell­schaften gehört.

Indivi­duali­sierung und Flexi­bili­sierung

Institu­tionen in Politik, Wirt­schaft und Gesell­schaft haben viel von ihrer Informa­tions- und Inter­pretations­hoheit verloren. Der Einzelne hat demgegen­über im Verlauf der letzten Jahr­zehnte immer mehr Gestaltungs­raum gewonnen. Er kann sein Leben indivi­dueller einrichten. Aber in einem Umfeld, in dem nichts von Dauer zu sein scheint, lastet auch mehr Verantwor­tung auf ihm. Im Sozial­staat ist an die Stelle der Gewiss­heit sicherer Renten die Erwar­tung privater Vorsorge getreten. Und selbst große Unter­nehmen – einst ein Hort der Stabi­lität – erfinden sich unter dem Druck globaler Märkte ständig neu und verlangen von ihren Mitarbei­tern bleibende Flexi­bilität.

Von Betrof­fenen zu Betei­ligten

Umgekehrt wollen die Betrof­fenen dafür aber auch den Wandel mitge­stalten oder zumindest jeder­zeit verstehen, was, wann, warum geschieht. Sie wollen eben nicht nur Betrof­fene sein, sondern Betei­ligte. Die Frage ist nur: Wie viel davon ist inzwischen in der Internen Kommu­nikation und insbeson­dere im Intranet ange­kommen? Mit den Beteiligungs­merkmalen sozialer Medien wurde zwar das soziale Intranet als Soft­ware­produkt geschaffen, doch wie viel Betei­ligung hat Eingang in die Technologie, Ökonomie und Kultur unserer Unter­nehmen gefunden?

Am Ende des Anfangs

Zumindest stehen wir nicht mehr am Anfang. Nach einer globalen Umfrage Ende 2012 nutzen bereits knapp drei Viertel der Unter­nehmen in ihren Intranets mindestens eine Social Media-Funktion. Deutschland ist zwar noch nicht so weit, aber im Sommer 2012 waren soziale Medien hierzu­lande für immer­hin rund ein Drittel der Internen Kommuni­katoren Teil ihrer Strategie.

Vom Ende sind wir aller­dings auch noch weit entfernt. International ist nur rund ein Fünftel der Nutzer mit ihren Intranet 2.0-Tools zufrieden. In Deutschland ist dieser Anteil zwar doppelt so hoch, er liegt damit aber immer noch deutlich unter der Hälfte. Und die IT-Markt­forscher von Gartner haben Anfang 2013 vorher­gesagt, bis 2015 würden 80 Prozent der Social Business-Projekte ihre Ziele verfehlen. Trotzdem sind die Unter­nehmen weltweit davon über­zeugt, dass Social Business-Aktivi­täten für ihre Entwicklung während der nächsten Jahre schnell an Bedeu­tung gewinnen werden.

Von daher könnte man sagen, wir befinden uns gerade am Ende des Anfangs. Social Intranets sind als Aufgabe im Main­stream angekom­men, aber es bleibt noch viel zu tun, bevor sie ihr volles Poten­zial entfalten können. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Unter­nehmen, die von sozialer Kommuni­kation und Kollabo­ration profi­tieren wollen, erst den entsprech­enden Grad »sozialer Reife« erlangen müssen. Auf einer Skala von eins bis zehn erreichen nach eigener Einschätzung nur 8 Prozent der Unter­nehmen welt­weit einen sozialen Reife­grad von 8 oder mehr, dagegen liegt gut die Hälfte bei höchstens 3. Das heißt aber nicht, dass wir immer noch im Experimentier­stadium verharren müssten.

Zeit für Methode

Inzwischen liegen genügend Erfah­rungen vor, um etwas metho­discher vorzu­gehen. Dazu will ich in dieser Serie von Posts zur Partizi­pation im Intranet einen Beitrag leisten, indem ich unter anderem folgenden Fragen nach­gehe:

  • Warum ist mehr Partizi­pation für Unter­nehmen und ihre Kommu­nikation eigent­lich so wichtig?
  • Was bedeutet Partizi­pation für das Organi­sations- und Kommuni­kations­modell eines Unter­nehmens?
  • Wie vertragen sich Hierarchie und Netz­werk?
  • Wie passen tradi­tionelle Interne Kommu­nikation und Partizi­pation zusammen?
  • Welche Beteiligungs­stufen gibt es im Intranet?
  • Welche Rolle spielen die sozialen Verbin­dungen zwischen den Mitarbei­tern für Online-Beteili­gung?
  • Welche Beteiligungs­formate gibt es und was darf man von ihnen erwarten?
  • Und schließ­lich: mit welchen Erfolgs­faktoren müssen wir rechnen?

 

Dieser Blog­post ist ein bearbei­teter Auszug aus einem Artikel, der zuerst hier veröffent­licht wurde: Dörfel, Lars (Ed.): Instrumente und Techniken der Internen Kommu­nikation. Band 2. Berlin 2013. S. 29-50.

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